Zur Startseite Zur Navigation Zum Inhalt Zur Kontaktseite Zur Sitemapseite Zur Suche
Wir vermitteln Bildung

30.03.2020, 08.55

In der Klinik Zugersee in Oberwil gilt ein Besuchsverbot. Auch die Angebote für Patienten wie das Abendgebet und die Meditation fallen aus. Gefragter denn je sind deshalb die Dienste des Klinikseelsorgers Alois Metz.

Alois Metz, wie hat sich der Klinikalltag in den vergangenen Wochen verändert?

Es gibt keine Angebote mehr mit mehreren Patienten. Das Abendgebet, die Meditation und die Philosophische Runde fallen aus. Um das Besuchsverbot sicherzustellen, stehen Securitas-Leute am Haupteingang. Die übrigen Eingänge sind geschlossen. Damit soll verhindert werden, dass das Virus in die Klinik eindringt. Aber als Seelsorger in der Psychiatrie dürfen wir noch zu den Patienten und Stationen gehen.

Wie hat sich die Nachfrage nach Seelsorge entwickelt?

Sobald ich auf Station komme, steuern Patienten auf mich zu, da sie unbedingt reden wollen. Ganz klar: Sie brauchen etwas Abwechslung in der Zeit der «Quarantäne», denn viele Patienten dürfen nur mit Personal nach draussen gehen. Mein Alltag ist voll gefüllt mit Einzelgesprächen mit Patientinnen und Patienten. Ich habe einen Schrittzähler am Handy und der zeigt 28’000 Schritten pro Tag an. Bei mindestens 25’000 davon handelt es sich um Spaziergänge mit Patienten.

Wie, ausser mit Gesprächen, kann man sich jetzt gegenseitig Mut machen?

Viele Patientinnen und Patienten und vermutlich auch Mitarbeitende zünden vermehrt Kerzen an. Ich fülle die beiden Kerzenständer in unserer Kapelle häufiger auf als sonst. Eine grosse Kerze, die am Fenster der Kapelle steht, hüte ich, damit sie nie ausgeht in der Zeit der Corona Krise.

Wie geht es euch im Team?

Mein Kollege hatte leichtes Fieber, keine Covid 19 Infektion, doch aus Sicherheit muss er eine Woche zu Hause bleiben. Ich persönlich versuche weiterhin, ruhig zu bleiben, denn die angespannte Atmosphäre im Haus ist deutlich zu spüren. Die täglich schärferen Sicherungsmassnahmen lösen bei vielen Angst aus. So wirken hier Menschen mit Ruhe und Gelassenheit wie gute Medizin.
Für Ostern habe ich ganz viele Schoggihasen gekauft. Alle austretenden Patientinnen und Patienten erhalten jetzt schon einen davon. Zudem freue ich mich darüber, dass uns der Frühling in kleinen Schritten unaufhaltsam entgegenkommt.

 

Interview: Bernadette Thalmann