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01.11.2020, 08.56

Thomas Rey, Pfarrer von Cham, feiert heuer sein 30-jähriges Priesterjubiläum. Im Interview gibt er Einblicke in die schönen, aber auch schwierigen Seiten des Priesterseins.

Was wollten Sie werden, bevor Sie sich dazu entschieden hatten, Priester zu sein?

Arzt oder Lehrer.

Wann haben Sie Ihre Berufung gespürt und was gab den Ausschlag dazu?

Es gab kein Schlüsselerlebnis, das mir zu einer blitzartigen Erkenntnis verhalf. Ich war einfach sehr gerne Ministrant und hatte Freude an der Liturgie. Ein Priester von Basel sprach mich dann einmal darauf an, ob ich nicht Priester werden möchte. Schon zu Gymnasialzeiten hatte ich einen Klassenkameraden, der dann reformierter Pfarrer wurde. Wir waren beide fasziniert von der Idee einer paritätischen Kirche mit zwei Kanzeln − für jeden Konfessionsvertreter eine…

Wo haben Sie Ihre Priesterlaufbahn gestartet?

In Ebikon, als Vikar. Ich war fünf Jahre dort und hatte Gelegenheit, viele praktische Erfahrungen zu sammeln.

Seit wann wirken Sie nun in Cham?

Seit 2004, und ich fühle mich sehr wohl hier.

Was ist für Sie besonders schön am Priestersein?

Ich feiere gerne die Eucharistie und habe Freude daran, die Sakramente zu spenden. Sie bieten jeweils auch die Chance für persönlichen Kontakt. Die Krankensalbung und die Beichte sagen mir besonders zu, da vertiefte Gespräche hier am ehesten möglich sind. Die Beichte empfinde ich auch für mich selbst bereichernd, im Sinne eines Beichtspiegels.

Welches bewegende Erlebnis werden Sie nie vergessen?

Vor rund 10 Jahren war ich auf einer Pilgerreise nach Israel, mit Jugendlichen aus unserer Pfarrei und einer Gruppe aus der Gemeinschaft der Seligpreisungen. Wir besuchten die biblischen Orte und hatten tolle Begegnungen. Mit vielen habe ich bis heute Kontakt.
Ein weiteres prägendes, wenn auch trauriges Erlebnis hatte ich während meiner Zeit als Spitalseelsorger in Luzern. Es gab einen Mordfall. Hintergrund war eine gescheiterte Beziehung. Ich wurde zum Einsatz am Tatort gerufen und erfuhr, mit wie vielen Ohnmachtsgefühlen Notfallseelsorge verbunden sein kann.

Was empfinden Sie als schwierig in Ihrem Leben als Priester?

Ich bedaure die zunehmende Intoleranz innerhalb der Kirche. Meinungsverschiedenheiten werden vermehrt militant und verbissen ausgetragen. Das mag ich ebenso wenig wie stereotype Vorstellungen von der Kirche.

Erleben Sie auch öfters Einsamkeit?

Ja. Sie wird mir vor allem dann bewusst, wenn ich nach Hause komme von einer längeren Zeit schöner Gemeinsamkeit. Ich denke beispielsweise ans Jungwacht-Blauring-Sommerlager, das ich immer gerne begleite. Aber dieses Problem haben andere Singles auch. Ich weiss, dass ich mich entsprechend organisieren muss.

Wohin sollte sich die Katholische Kirche hinbewegen und welchen ersten Schritt dahin wünschen Sie sich?

Die Kirche neigt dazu, von ihrer Kernaufgabe abzukommen und sich zu verzetteln. Wir reden viel zu oft von Strukturen, der Rolle der Frauen, vom Zölibat. Auch mir sind diese Themen wichtig, aber sie haben nicht Priorität. Priorität hat Jesus Christus, die Nähe zu ihm und die Verkündigung des Glaubens an ihn.

Was möchten Sie in Ihrer Pfarrei gerne noch verändern?

Auch hier suche ich nicht in erster Linie grosse Veränderungen, sondern richte den Fokus auf Christus. Ich möchte die Beziehung der Menschen zu Gott stärken. Das mache ich primär mit den Sakramenten und der Vorbereitung darauf. Mein Ziel ist, den Menschen das Rüstzeug mitzugeben, um ihren Glauben selbst in die Welt hinauszutragen.

 

Interview: Bernadette Thalmann