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Wir handeln solidarisch

24.02.2020, 08.19

Seit Anfang Februar ist Roland Wermuth Mitarbeiter bei der Katholischen Kirche Zug und wirkt als neuer Leiter der ökumenischen Spitalseelsorge am Zuger Kantonsspital. Einblicke in seine Arbeit gibt er im folgenden Interview.

Herr Wermuth, erfolgen Ihre Besuche auf Bestellung oder kontaktieren Sie alle Patientinnen und Patienten?

Wie bei meiner bisherigen Arbeit in Kliniken, Spitälern und Heimen setze ich auch im Zuger Kantonsspital eine Mischung von beidem um. Erhalte ich den konkreten Wunsch nach einem Seelsorgebesuch, so hat dieser Vorrang. Patientinnen und Patienten, die länger als ein bis zwei Tage im Spital sind, erhalten in der Regel ebenfalls ein Besuchsangebot. Sie können es annehmen oder ablehnen.

Gibt es inmitten des regen Spitalbetriebs überhaupt noch Platz für ein Seelsorgegespräch?

Die Seelsorge ist mit ihrem Angebot ein integrativer Teil aller Dienstleistungen im Spitalbetrieb, die dem Wohl und der Genesung der Patientinnen und Patienten zudienen. Ich betrachte das als Bereicherung. Insbesondere wenn Patientinnen und Patienten eine schlechte Diagnose erhalten, kann ein Seelsorgegespräch vielen aufkommenden Fragen Raum geben und so Halt vermitteln. Darüber hinaus spendet ein Gebet oder ein Ritual oft Trost, Zuversicht und Kraft.

Die Seelsorge im Zuger Kantonspital erfolgt ökumenisch. Was heisst das konkret?

Wir arbeiten als 5-köpfiges Team mit insgesamt 230 Stellenprozent eng zusammen. Unsere Besuche organisieren wir nicht nach der Konfession des Patienten, sondern sind verschiedenen Stationen zugeteilt. So erhalten alle, die das wünschen, unabhängig von ihrer Religion oder Konfession Besuch. Besteht jemand darauf, eine Seelsorgeperson der eigenen Konfession oder Religion zu sehen, vermitteln wir weiter.

Was fordert Sie bei der Seelsorgearbeit im Spital heraus?

Jede Situation, in die ich komme, ist anders. Ich weiss nicht, was mich erwartet, wenn ich die Tür eines Spitalzimmers öffne. Ist der Besuch überhaupt erwünscht und kommt es zu einem Gespräch? Wenn ja, welche Themen, Anliegen und Fragen beschäftigen die Person, was braucht sie? Genau das macht aber meine Seelsorgearbeit spannend, auch wenn ich sehr gefordert bin, ganz im Hier und Jetzt zu sein, mich auf das Gegenüber einzulassen und diesen Menschen ein Stück weit zu begleiten.

Welches sind die besonderen Chancen der Spitalseelsorge?

Ich komme mit den unterschiedlichsten Menschen in Kontakt. Mitunter habe ich mit jemandem ein Gespräch, der vorher keine oder eine unschöne Erfahrung mit der Kirche gemacht hat, und dann positiv überrascht ist von unserer Begegnung. Öffnet sich ein Mensch mir gegenüber, darf ich jedes Mal seine ganz persönliche Welt betreten, seine Spiritualität entdecken und ihn begleiten.

Welche Themen beschäftigen die Patientinnen und Patienten am meisten?

Das können alltägliche Themen sein rund um Arbeit, Beziehungen, usw. Es können aber auch spirituelle Fragen sein. Wenn eine Person schwer krank ist, eröffnen sich oft Sinnfragen, Fragen nach Leben, Sterben und Tod oder Fragen nach einem «guten» Abschied-Nehmen.

Welche Qualitäten sollte ein Spitalseelsorger/eine Spitalseelsorgerin mitbringen?

Man sollte zuhören können. Sensitivität und Empathie helfen zu erkennen, was dem Gegenüber dienen kann. Will man ihm religiöse Begleitung anbieten, braucht das Erfahrungen in Gesprächsführung und fundiertes theologisches Wissen, damit beispielsweise «stimmige» Rituale und Gebetsformen gefunden oder «ungesunde» Formen von Spiritualität thematisiert werden können. Gewisse Gottesbilder oder Glaubensformen können nämlich auch einengen, bedrohen und beängstigen. Nicht zuletzt ist auch ein Flair für Zusammenarbeit im Seelsorgeteam und mit anderen Mitarbeitenden im Spital gefragt.

 

Interview: Bernadette Thalmann

 

Siehe auch Artikel Roland Wermuth wird Leiter der ökumenischen Spitalseelsorge