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Wir verbinden Kulturen

27.01.2021, 08.33

seelsam – ökumenische Seelsorge für Behinderte feiert heuer das 20-jährige Bestehen. Andrea Koster Stadler und Ruedi Hofer geben als Leitungsteam erste Einblicke in die umfangreichen Aktivitäten, die sie und ihr Projektteam derzeit am Gestalten sind.

Andrea Koster Stadler, wann genau feiert die ökumenische Fachstelle seelsam ihr Jubiläum?

Höhepunkt des Jubiläumsjahrs wird das Fest am Samstag, 18. September sein. Es wird mit vielen Überraschungen aufwarten. Darüber hinaus planen wir aber für das ganze Jahr 2021 fröhliche, aufgestellte Impulse, denn es gibt schon genügend schwere Themen, die es zu tragen gilt.

Können Sie uns ein paar Einblicke geben? Was konkret wird am grossen Fest stattfinden?

Wir feiern zusammen Gottesdienst und werden dabei von Musik und einem Künstlerpaar begleitet (Ruedi und Claudia Kündig, Biblepainting). Provokative Theaterszenen mit den zuwebe Theaterleuten werden Denkanstösse geben, ein feines Festessen die Gaumen verwöhnen und Marktstände verschiedener Institutionen werden voraussichtlich zum Bummeln und Verweilen einladen. Auch politische Gäste werden anwesend sein. Wir wollen vernetzen, zwischen all den verschiedenen Organisationen rund um Menschen mit einer Behinderung, den betroffenen Menschen selbst und der Öffentlichkeit.

Ruedi Hofer, wer hilft bei der Umsetzung der Jubiläumsaktivitäten mit?

Zur Planung und Umsetzung haben wir ein gut durchmischtes Team zusammengestellt. Mit dabei sind nebst dem Leitungsteam zwei Mütter von betroffenen Söhnen, eine betroffene Frau, die in der zuwebe wohnt, und zwei weitere Seelsorger. Auch die Mitglieder von seelsam selbst wirken bei der Jubiläumsgestaltung mit. Jeden Monat bekommen sie Post mit einer Einladung, sich am Anlass einzubringen. Sie werden den festlichen Rahmen für den 18. September gestalten, mit Basteln, Singen und Dekorieren. Wir möchten sie anstecken mit der Freude darüber, dass seelsam 20-jährig wird.

Welches sind die Ziele, die seelsam in diesem Jahr erreichen möchte?

Das Jubiläum soll weit über das Jahr 2021 hinaus wirken und Spuren hinterlassen! Wir möchten noch vermehrt sichtbar machen, was die Kirchen für Menschen mit Beeinträchtigungen tun. Eine Stärke von uns ist nämlich, dass wir uns bei seelsam Zeit nehmen und offen sind für die Bedürfnisse des Gegenübers, dass wir das Zusammensein geniessen, uns gegenseitig bereichern und anstecken. Damit sind wir ein Gegenpool zur leistungsorientierten Gesellschaft, die immer mehr Menschen krank macht.

Andrea Koster Stadler, sogenannt «behinderte» Menschen haben oft auch ganz besondere Fähigkeiten. Welche sind das?

Wir erleben oft, dass sie dem Gegenüber sehr zugewandt sind. Sie handeln offen und direkt, spüren kaum Barrieren. Entsprechend sind sie bereit und fähig, den Moment zu leben, sich auf das einzulassen, was er bietet. Und nicht zuletzt sind sie in der Regel dankbar, schätzen kleine Gesten und Zuwendungen, sind zuverlässig und treu, verteidigen mitunter hartnäckig, was ihnen wichtig ist. Mit ihrem Wesen zeigen sie uns, dass es auch Leichtigkeit im Leben gibt und nicht immer alles ernst sein muss. Von ihnen können wir lernen, dass unser Leben ein Geschenk ist und wir dankbar sein sollten für unsere Gaben.

Ruedi Hofer, was bedeutet eigentlich der Name «seelsam»?
Unsere Vorvorgängerin Pfarrerin Barbara Brunner hat es so ausgedrückt: seelsam lässt das Feld offen für viele Assoziationen: Balsam für die Seele, Seelsam − heilsam, mit viel Seele, Begegnung von Seele zu Seele, etc.» Auch aus dem seelsam-Logo, das ein Töpfchen mit Salbungsöl zeigt, kann eine Erklärung abgeleitet werden: So, wie man einen Menschen segnet und mit Öl salbt, so versuchen wir Menschen mit kognitiver Behinderung seelisch und leiblich auf sorgsame Weise Gutes zu tun und mit ihnen Gottes Gegenwart zu erleben und zu feiern.

Mit welchen Organisationen arbeitet seelsam zusammen?

Als ökumenische Organisation der katholischen und der reformierten Kirche arbeitet seelsam mit den Pfarreien und Kirchgemeinden sowie verschiedenen Institutionen vor Ort zusammen wie Stiftung Maihof (Haus Maihof, Haus Wiesenweg, Haus Euwmatt und Zentrum Sonnhalde), zuwebe Baar, HPS Zug (Heilpädagogische Schule Zug,) HZH (Heilpädagogisches Zentrum Hagendorn), SHS (Sprachheilschule) Unterägeri und die City Kirche. Wir sind dran, die Kontakte zu erweitern, zu intensivieren und vermehrt Synergien zu nutzen.

Andrea Koster Stadler, wie gelingt es, Menschen mit unterschiedlichen Handicaps als Gemeinschaft anzusprechen?

Dies ist in der Tat eine ganz grosse Herausforderung! Wir versuchen es und freuen uns, wenn es zu Begegnungen kommt, unerwartet, unkonventionell, im Herzen berührend!

 

Andrea Koster Stadler ist katholische Co-Leiterin von seelsam / Ruedi Hofer ist reformierter Co-Leiter von seelsam

 

Interview: Bernadette Thalmann