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Wir geben einander Halt

01.04.2020, 08.22

Die Seelsorgenden in den Zuger Pfarreien sind trotz der Pandemie für ihre Mitglieder da und unterstützen insbesondere die Risikogruppen. Dies mit viel Kreativität und auf neuen Kommunikationskanälen.

Die meisten Kirchen und Kapellen stehen offen. Der Walchwiler Gemeindeleiter Ralf Binder achtet darauf, dass die Türe zur Pfarreikirche just so weit geöffnet ist, dass die Besuchenden die Falle nicht zu berühren brauchen. Die Pfarrei Baar teilt mit, dass die Türfallen regelmässig desinfiziert werden.
Gottesdienste werden in vielen Pfarreien still, also ohne Publikum gefeiert. Christof Arnold, Gemeindeleiter Menzingen und Neuheim: «Wir beten auch für die Anliegen der Pfarreiangehörigen. Sie können ihre Wünsche per E-Mail oder telefonisch mitteilen.
In der Kirche St. Oswald liegen die liturgischen Texte für die stille Messe am Sonntag jeweils vor dem Altar, informiert Reto Kaufmann, Pastoralraumleiter Zug Walchwil. Er lädt die Besuchenden der Kirche zudem ein, Einträge in das Dank- und Sorgenbuch zu machen.

Umstellung auf Telefonseelsorge

In den Pfarreien ist jetzt Seelsorge per Telefon angesagt. Zum einen rufen sie die Menschen über ihre Webseiten auf, sich zu melden, wenn sie ein Gespräch wünschen, zum andern wirken sie proaktiv, wie Ralf Binder. Er verbringt den Tag vorwiegend damit, die Mitglieder seiner Walchwiler Gemeinschaft zu kontaktieren, damit er weiss, ob sie wohlauf sind oder allenfalls Unterstützung brauchen.
Unterstützung benötigen jetzt vor allem ältere und kranke Menschen. Für sie haben die meisten Pfarreien einen Einkaufsservice organisiert, der per Telefon bestellbar ist. Zum Teil arbeiten sie dazu mit anderen Organisationen zusammen, die Pfarrei Cham beispielsweise mit KISS, der Organisation für Nachbarschaftshilfe.

Impulse via Youtube und Whatsapp-Gottesdienste

Neue Wege in der Kommunikation geht Berhard Lenfers, Gemeindeleiter St. Johannes in Zug: Auf Facebook ist die Pfarrei schon länger präsent. Jetzt in der Krise betet er jeden Morgen von 6.15 – 7.00 Uhr in der Kirche. Daraus entsteht ein täglicher Impuls von zwei bis fünf Minuten aus der Stille, den er anschliessend auf Youtube freischaltet. Hier der Impuls «Für das Leben eintreten»: Wort aus der Morgenstille 6 vom 24.03.20.

Einen ersten Whatsapp-Gottesdienst hat die Pfarrei Baar am vergangenen Samstag durchgeführt. Weitere finden am 4. und 11. April statt. Wer mitmachen will, meldet sich jeweils bis Freitag 12 Uhr auf T 079 759 96 56 an und wird dann Mitglied einer Gruppe, die kurz vor Beginn des Gottesdienstes zur Teilnahme aufgerufen wird. Ein spannendes Gruppen-Erlebnis, denn die Teilnehmenden sind live mit dabei und hören auch die Antworten des Publikums.

Sich gegenseitig Mut machen und einander helfen

Die Stimmung in den Pfarreien ist grundsätzlich gut. «Alle haben Fragen und Unsicherheiten. Aber wir versuchen, einander zu unterstützen und uns gegenseitig Mut zu machen», sagt Reto Kaufmann. Mut machen wollen beispielsweise Hoffnungsworte von Seelsorgenden auf den Homepages der Pfarreien im Pastoralraum Zug Berg, oder auch die Teilnahme an der schweizweiten «ökumenischen Aktion» des Kerzen-Anzündens.
Dankbar für Unterstützung aus den Pfarreien ist derzeit Roland Wermuth, Leiter Spitalseelsorge im Zuger Kantonsspital. Er und sein Team machen Besuche am Krankenbett nur noch auf Anfrage durch das Pflegepersonal oder wenn bei der Telefonseelsorge deutlich wird, dass ein Besuch sehr erwünscht ist. «Wir rechnen mit einem Anstieg des Bedarfs an Seelsorge und sind daran, einen ausserordentlichen Pikett-Dienst rund um die Uhr einzurichten, um auch dem Pflegepersonal und den Angehörigen eine Stütze zu sein». Erste Zusagen für Unterstützung hat er bereits erhalten.

Viel Kreativität

Auf der Suche nach Wegen, in der Krise zu unterstützen, sind die Pfarreien kreativ. Im Chilemattgarten in Steinhausen findet derzeit ein Saatgut-Teilen statt. Man darf aus einer Kiste mitnehmen, was man will und reinlegen, was man übrig hat. Wer Lust hat, kann sich per E-Mail für eine Suppen- oder Risottomahlzeit an Gründonnerstag anmelden, die dann nach Hause, in den Milchkasten, geliefert wird.
Das Oberwiler Pfarreiteam meldet sich zweimal wöchentlich mit dem «Oberwiler Sendebrief», als «Zeichen der Verbundenheit». Er enthält aktuelle Informationen über lokale Initiativen und spirituelle Impulse. Wer dem Pfarramt seine Postadresse oder E-Mail mitteilt, gehört mit zu den Empfängern.
Die Pfarreien Hünenberg und der Pastoralraum Zug Berg unterstützen Religionslehrpersonen beim Kontakt mit ihren Schülern. Pastoralraumleiter Urs Stierli nennt als Beispiele «eine persönlich gestaltete Karte/Brief an die Schüler mit Bezug zu einem behandelten Thema (2.-6. Klasse)» oder einen «Whatsapp-Infokanal Religion, mit Texten, Bildern Filmen und Aufgaben (Oberstufe)».
Die Pfarrei Hünenberg rief zudem die Familien ihrer Gemeinschaft zum Mitbasteln an einer Osterüberraschung auf. So können ab morgen Freitag rund 200 Geschenksäckli in der Pfarreikirche abgeholt oder auf Nachricht ans Pfarramt nach Hause ausgeliefert werden.

 

Bernadette Thalmann